Mittwoch, 13. Juli 2005

god is in the radio

um kurz nach sechs uhr abends klingelte das telefon.
mir standen gerade die tränen in den augen. nein, ich war nicht todtraurig und ja, ich heulte trotzdem rotz und wasser, aber nicht wegen eines emotinalen sommerloches in meiner kleinen, zarten seele, sondern weil mein liebstes meeedchen und ich samt sechs kleiner monster die grillsaison eingeläutet hatten und irgendwer sich erbarmen musste, die zwiebeln für den salat zu massakrieren.
da ich weder ein loch in die wand bohren noch einen autoreifen wechseln kann, fiel konsequenterweise der umgang mit dem feuer flach, so dass grillanzünder und holzkohle in die hand meiner freundin fielen, die zwar ein meeedchen ist, aber ein wenig mehr von der do-it-yourself-und-scheiss-auf-die-männer-mentalität abbekommen hat, während ich, frau prinzessin auf der erbse und hilfe-wo-sind-die-echten-kerls, zu den niederen küchenarbeiten abkommandiert wurde.

ich angelte nach dem klingelnden mobilteil und schniefte meinen namen in den hörer, der mir vor schreck fast wieder aus der hand fiel als ich hörte, dass sich jan bastick am anderen ende der leitung befand.
jan bastick? nicht gerade so berühmt wie robbie williams oder brad pitt, keine ahnung, ob er optisch kompatibel zu seiner stimme ist, aber immerhin moderator bei radio hamburg und ausserdem in diesem moment der schlüssel zu unermesslichen reichtum. ich hatte an diesem morgen im halbschlaf die wahnwitzige idee gehabt, schnell und unbürokratisch reich zu werden und das auf legalem wege, denn auch das bank-ausrauben fällt unter die kategorie "kein-loch-in-die-wand-bohren-können-und-andere-typisch-weibliche-eigenschaften"und damenstrümpfe gehören notfalls an den fuss (zwar nicht an meinen), aber nicht übers gesicht, denn da ruinieren sie einem höchstens die frisur.

und wie wird man am schnellsten reich?
genau, man beteiligt sich an einem der unzähligen gewinnspiele, die diverse radiosender veranstalten, um "für 49 cent pro anruf aus dem festnetz der deutschen telekom" die massen zu schröpfen, die alle von dem selben gedanken beseelt sind, dass sie das glück haben, ins studio durchgestellt zu werden.
fortuna war mir an diesem morgen hold, eine zauberhafte weibliche stimme begrüsste mich und notierte namen, adresse, beruf, telefonnummer und den vierstelligen gewinncode, der bei richtigem raten zu über 18000 euren führen würde und wies mich darauf hin, dass ich im laufe des nachmittages zurückgerufen werden würde.

"im laufe des nachmittages...", enttäuschung machte sich in mir breit. bis zu diesem zeitpunkt dachte ich immer, dass man sofort ins studio durchgestellt wird, um mit den moderatoren ein nettes pläuschchen zu halten und dann souverän die kohle einzusacken, aber dieser satz konnte nur bedeuten, dass sie das vermutlich allen menschen versprachen, die mysteriöserweise doch in der zentrale des radiosenders gelandet sind.

in der regel ist es nämlich nicht so einfach, die tücken der telekom zu umschiffen:
bei einem anderen regionalen radiosender wurde ich zum beispiel zweimal mit dem von einem band gesprochenen satz abgewimmmelt, der sinngemäss so klang: "leider wurden sie nicht durchgestellt und können uns mal kräftig am arsch lecken, weil sie trotzdem wie tausende andere auch 49 cent bezahlt haben und UNS unermesslich reich machen, während sie NIEMALS irgendetwas gewinnen werden".
insofern hatte ich das versprechen der jungen dame auf rückruf bis zum abend gekonnt verdrängt, es galt paprika in stücke zu hacken und gurken in scheiben zu schneiden, da war die erinnerung an einen morgen voller hoffnung mittlerweile verblasst.

...und nun hatte ich jan bastick am telefon, der mir mitteilte, dass er gerne einen anruf mit mir aufzeichnen würde. aufzeichnen? der tod aller spontaneität wurde noch schneller als gedacht herbeigeführt, als herr bastick mir mitteile, was ich am anfang der aufzeichnung zu sagen hätte.
ich würde ein "was geeeeeeeeeeeeeeeeeht?" hören und sollte dann mit einem "was geeeeeeeeeeeht, hier ist stefanie pikl...piklnü...pikl...."- an dieser stelle verhakte sich der gute gnadenlos in meinem nachnamen und gewann somit nicht das obligatorische eis, das ich allen menschen versprach, die es schafften meinen namen abgelesen vom personalausweis oder sonst irgendeinem geschriebenen dokument, korrekt auszuspreche, tja herr bastick, dachte ich, zumindest SIE haben jetzt schon verloren.
"oke, geht gleich los" sagte herr-bastick-jetzt-ohne-gewinner-eis, ich hörte irgendein achtziger, neunziger oder zweitausender-hintergrund-gedödel, eben diese musik, die man nur erträgt, wenn man morgens vom radiowecker aus dem land der träume gerissen wird, und dann einen albernen klingelton (hier zeigen sich die grenzen eines blogs, ich könnte den ton nicht in worten beschreiben, so dermassen albern war er) samt eines recht elektronischen "was geeeeeeeeeeht" (sicherlich nicht von herrn bastick persönlich eingesprochen, ausser er hatte in den letzten 3 sekunden noch eine ordentliche ladung helium inhaliert) und wusste "aha, mein einsatz". ich meisterte meinen eigenen nachnamen glamourös und versprach mir in gedanken, dass ich eine jan-bastick-gedenk-himbeereiskugel verdrücken würde, sobald eine eisdiele meinen weg kreuzen würde.
herr bastick plauderte munter drauf los und fragte, was ich mit 20.100 euro denn anstellen würde, während ich freundlich antwortete, dass ich aufgrund meines etwas alterschschwachen opels daran denken würde, den tüv-prüfer zu bestechen, damit das auto durchkommt oder mir eben gleich einen neuen wagen leisten würde.
auf die frage hin, was für ein auto das denn sein würde sagte ich, dass die marke mir relativ egal sei, hauptsache das auto hätte vier räder (ha! eine typische meeedchen-antwort, alleine dafür hätte ich noch eine kugel himbeereis verdient). nach einigen weiteren sätzen kam dann die unvermeidliche frage, wie ich denn gerade auf DIESEN gewinncode gekommen sei, ich teilte dem guten mann mit, dass die zahlen auf weiblicher intuition basieren würden.
herr bastick meinte daraufhin: "nun, stefanie, ich halte ja nicht viel von weiblicher intuition...hehehehe (dreckiges lachen)!"
ich glaube, herr bastick hatte nicht mit meiner schlagfertigkeit gerechnet, da die meisten menschen doch etwas geplättet sind, wenn sie einen gott der radiowellen live am telefon haben. aber man muss dazu sagen, dass herr bastick einen wunden punkt getroffen hatte, mir war schon klar, dass ich den code nicht knacken würde, mir war so gut wie klar, dass dieses geld irgendeinem anderen hörer in die hände fallen würde, aber das ist noch lange kein grund, dieses machohafte gehabe raushängen zu lassen.
"watn penner" schoss es mir durch den kopf und ich antwortete: "das liegt vermutlich am fehlen des zweiten x-chromosomes".
1:0 für mich, der kommunikative ball wurde nicht nocheinmal zurückgeworfen, anstattdessen bekam ich mitgeteilt, dass mein code falsch sei.
"ach scheiss drauf" ging mir durch den kopf, das haus roch mittlerweile nach grillfleisch, die sonne schien, die kids hopsten durchs planschbecken, meine freundin winkte mir mit der grillzange, mein magen knurrte ein wenig und irgendwie war ich grad sehrsehr glücklich.
eine stunde später wurde unser gespräch im radio gesendet, wir klebten alle am küchenradio und mussten uns fast totlachen, als wir festgestellt haben, dass der herr bastick den satz mit der weiblichen intuition und meine antwort darauf gnadenlos rausgeschnitten hatte. vermutlich kratzte das doch an seiner göttlichen radiomoderatoren-ehre.
ich finde, dass ich mir dafür noch eine kugel himbeereis gönnen darf, das macht dann summa summarum...ähm....mindestens 3 kugeln, danke herr bastick!

Donnerstag, 7. Juli 2005

rettung aus dem paradies

das waren noch zeiten.
eine leicht besorgt klingende stimme ertönte, nachdem es im lautsprecher vernehmlich knackte.
und das knacken führte schon dazu, dass man sofort erkennen konnte, wer inmitten der massen, die sich durch die grossen möbelhäuser drängten, einen stammhalter oder eine miniprinzessin in die welt gesetzt hat.
besorgte blicke machten sich von bettkonstruktionen und schrankwänden los, ehefrauen traten ihren gatten fest auf den fuss, der immernoch lamentierte, warum kirschholz unter umständen vorteilhafter wäre als gelaugtes kiefernholz. sie zischte "sei doch mal leise, schatz", zwei ohrenpaare lauschten angestrengt, ob es sich um ihr kind handelte, welches dringend aus dem kinderparadies abgeholt werden wollte.
manchmal mischte sich lachen von umstehenden personen unter die freundliche lautsprecherstimme, die kuriose kindernamen offerierte.
das waren noch zeiten, als die finns und patricks, die leas und ann-sophies persönlich ausgerufen wurden. sehnsucht nach mütterlichen rotzfahnen, väterlichen händen, flucht aus bällebad und kinderkino.

vorbei die guten, alten zeiten.
gestern betrat ich eines der allseits bekannten schwedischen möbelhäuser, um mit einer freundin ein regal für die küche zu kaufen und das berühmt-berüchtigte kotbullar-wettessen zu veranstalten, aus dem ich seit jahren als ungeschlagener sieger hervorgehe.
meine vierjährige tochter zog mich aufgeregt und konsequent in richtung der bunten glaswände, hinter denen sich all die dinge befanden, die ein kinderherz höher schlagen lassen.
ein tresen trennte uns vom bunten paradies, bewacht von zwei ältlichen, graugelockten drachen, die mürrisch dreinblickend die kinder reinwinkten, welche ordnungsgemäss ihre schuhe im nummerierten schliessfach verstaut hatten, einen marienkäferaufkleber mit namen und schranknummer am pullover trugen und deren erziehungsberechtigen den korrekt ausgefüllten zettel mit adresse, telefonnummer und namen einer etwaigen begleitperson, die ebenfalls zur abholung durch unterschrift berechtigt wurde, abgegeben hatten.
ohne die mundwinkel nur einen zentimeter nach oben zu verziehen, um so die andeutung eines lächelns zu versuchen, knurrte der ältere drachen der beiden kinderparadies-bewacherinnen die schlange aus müttern, vätern und kindern an, dass ja bitte keiner vergessen solle, seine postleitzahl auf dem zettel zu vermerken, anderweitig würde man die reibungslosigkeit des ablaufes behindern. ich musste mich sehr zurückhalten, um nicht zu brüllen, dass mir klar sei, dass ein "sesam, öffne dich!" vermutlich nicht ausreichen würde, um die geheiligten hallen der plastikbälle zu betreten. dieser ausruf hätte mir nichts genützt, ein fauchen der beiden drachen hätte mich vermutlich zu heisser asche pulverisiert und ich hänge an meinem leben und möchte meine kleine nicht als waise in einem schwedischen möbelhaus zurücklassen, wo sie dann den rest ihres kurzen lebens lachs, kotbullar und waffeln essen muss und bei aufmüpfigkeit und ausreichener fleischbällchenmast letztendlich als drachenfutter endet.
der klapptresen wurde geöffnet, meine tochter entschwand, zurück blieben meine freundin, korrekt eingetragen als zusätzliche abholerin samt unterschrift, meine wenigkeit und ein drache, der mir mit schuppigen händen einen pieper in die hand drückte, der im notfall (kind vom drachen der arm abgebissen, brandverletzungen durch feuerspeien, schwefelvergiftung und andere eventualitäten) sechsmal fiepen sollte und eine nummer anzeigte, die einen zur sofortigen rückkehr in den schwedischen kinderhochsicherheitstrakt animieren sollte, wenn man sein kind lebend in die arme schliessen wollte.
ich drehte mich gerade um, liebäugelte bereits mit preiselbeersauce und mandeltorte, als ein feuriger atem mir beinahe meine nackenhaare versengte: "geben sie mir ihren personalausweis". ich leistete dieser aufforderung sofort folge. erstaunlicherweise bekam ich mein wichtigstes dokument umgehend zurück, so dass ich endlich mit meiner freundin von diesem unseligen ort entschwinden konnte.
stunden des konsum-glückes breiteten sich vor uns aus, die schlacht am buffet gewann ich erneut reibungslos, die möbelabteilung passierten wir mit dem obligatorischen sofa-test-hüpfen, schreibtischstuhl-wettdrehen, dem mittagsschlaf in allen betten und ausserdem hinterliessen wir unsere fettigen, fleischbällchenerprobten fingerabdrücke an jedem regal, was unseren weg kreuzte.
gerade gelangten wir in die kleinkramabteilung, die jedes frauenherz höher schlagen lässt, weil man IMMER irgendetwas findet, womit man seine küche oder das badezimmer noch bereichern kann, da ertönte warnend ein piepen in meiner tasche.
seufzend erklärte meine freundin sich bereit, die kleine zu retten, nahm pieper und schrankschlüssel an sich und entschwand in der menge der glücklich lächelnden konsumenten.

zwanzig minuten später kehrte sie zurück, der inhalt unseres einkaufswagens hatte mittlerweile schwindelerregende höhen erreicht, die ich weiss gott nicht länger alleine hätte bewältigen können, so dass ich froh war, dass sie mir wieder beim schieben helfen konnte.
nun, sie kehrte zurück, aber allein. kein kind an ihrer hand, dafür ein genervter blick, der mich das schlimmste fürchten liess. hatte sie zu lange gebraucht, waren die drachen hungrig geworden und hatten die kleine verspeist, in der hoffnung, dass niemand zurückkehren würde, um das kleine unschuldige mädchen aus ihren klauen zu befreien?
zu meiner erleichterung hörte ich, dass ihr das kind zwar lebend gezeigt, aber nicht ausgehändigt wurde, weil sie dreisterweise nicht bei der übergabe am anfang ihren personalausweis gezeigt hatte, anstattdessen knurrte einer der drachen hähmisch die kleine an "du kannst nicht mit deiner mutti mitgehen".
meine freundin erklärte mit todesverachtung, dass sie nicht die mutter sei, sondern dass sie auf dem abholzettel mit namen und unterschrift vermerkt sei und gerne ihren ausweis vorzeigen würde, damit die drachen verifizieren können, dass name der abholperson mit namen auf dem aufweis übereinstimmen würde.
doch alles betteln und flehen half nichts, die kleine musste in der drachenhöhle bleiben und meine freundin unverrichteter dinge abziehen.

zu diesem zeitpunkt wünschten wir uns beide einen edlen ritter zu pferde, unerschrocken, ohne furcht und tadel, der heidiheido und hoppsalla ins kinderparadies galoppieren würde, um den beiden drachen mittels seines schwertes die köpfe abzuhacken und diese auf seiner lanze aufgespiesst als trophäe zu uns zurückbringen würde, so dass wir danach alle armen kinder befreien und zu ihren sorgenzerfressenen eltern zurückbringen könnten.
von einem erneuten piepen wurden wir unsanft aus unseren heroenhaften träumen gerissen, jetzt galt es zu handeln und schweren herzens machte ich mich auf den weg,

hinter dem klapptresen stand meine tochter, die augen weit aufgerissen, als sich die drachen vor mir aufbauten und zähnefletschend erneut meinen ausweis verlangten.
panik machte sich in mir breit, hatte ich mein portomonaie nicht im einkaufswagen liegen lassen? nein, ich hatte einige scheine in die hand meiner freundin gedrückt, damit sie an der kasse zahlen konnte, mein geldbeutel fand sich nach einigem wühlen in meiner tasche und somit hatte ich die karte, die meine kleine in die freiheit führte, zum glück dabei.
schlimmer erging es einem netten vater, der von seinem sohn mit begeisterten "papa, papa!"-rufen begrüsst wurde, sein ausweis befand sich in der tasche seiner frau, die irgendwo in den weiten des möbelgeschäftes auf eine familienzusammenführung hoffte.
er musste unverrichteter dinge von dannen ziehen und auch die rufe seines sohnes erweichten die drachenherzen nicht.

ich möchte an dieser stelle betonen, dass eine gewisse absicherung seitens des möbelgeschäftes sicherlich allen zu gute kommt, denn keiner möchte, dass sein kind von jedem x-beliebigen mitgenommen werden kann, aber was die beiden drachen dort zelebrierten, ging definitiv zu weit.
ich frage mich, was passiert, wenn jemand trotz ausgefüllten zettels, piepers, schrankschlüssels und eindeutiger zugehörigkeit zum kind seinen ausweis verliert?
müssen die kleinen dann bis zur ausstellung eines ersatz-dokumentes auf irgendeinem beddinge, tromsnes, ottenby oder bangsund dahinvegetieren?

ich für meinen fall habe beschlossen, dass die kleine beim nächsten mal als ehrenmitglied in die kotbullar-wettessen-runde aufgenommen wird, eisessen bis zum umfallen inklusive.

Mittwoch, 15. Juni 2005

wortfindungsschwierigkeiten II

gestern verfolgte ich mit interesse eine diskussion, die sich darum drehte, dass männer keine grossartigen probleme damit haben, ihr geschlechtsteil zu benennen. die meisten bezeichnen es als "schwanz" und sind vollauf zufrieden damit und in keinster weise peinlich berührt.

fragt man wiederum frauen, wie sie ihr "bestes stück" bezeichnen würden, sieht die sache schon ganz anders aus:
zum einen fällt es ihnen schwer, eine eindeutige bezeichnung zu finden, zum anderen identifizieren sie sich meist nicht so sehr mit dieser bezeichnung, was wiederum dazu führt, dass sie es eher als unangenehm empfinden, den favorisierten begriff laut auszusprechen.
selbst ich, die aus einem recht aufgeklärten haushalt stammt, in dem mutter und vater früher fröhlich "mama seine busen, papa seine penis" trällerten, während sie dazu nackt im bad herumhopsten, habe bis jetzt keine wirklich zufriedenstellende lösung gefunden. entweder es klingt zu medizinisch oder man fühlt sich gleich wie ein liederliches luder, was in den eigenen vier wänden zwar super ist, aber in der öffentlichkeit auch wieder doof.
bei meiner allabendlichen redefluss-connection via telefon klagte ich einem freund mein leid und siehe da, er meinte, dass dieses phänomen doch vollkommen logisch sei.
so wollte er mir weismachen, dass es dafür eine einfache, sehr einleuchtende, erklärung geben würde.
das wort "schwanz" würde den männlichen wesen (und auch den meisten weiblichen) nur deswegen so locker über die lippen gehen, weil es mehrdeutig belegt sei, quasi eine art "teekesselchen"
einige unter den lesern werden dieses spiel noch aus ihrer grundschulzeit erinnern. ich favorisierte damals den begriff "kiel", weil dem sogar drei bedeutungen zugemessen werden... aber was rede ich hier, ich schweife ab...bleiben wir beim thema und damit zurück zu den schwänzen und fotzen (boah, das mal sowas in meinem blog stehen würde...) oder wie immer man das auch nennen will....
und diese mehrdeutigkeit würde zu einer art inneren beruhigung führen, da man nicht zwangsläufig an ein erigiertes oder unerigiertes glied (igitt, wie klingt DAS denn eigentlich?) denken müsste, sondern genauso gut furys schwarzen, haarigen schweif vor augen haben könnte....oder eben gretchens blonden pferdeschwanz...wie auch immer....zumindest focussiert sich das denken nicht auf diesen einen begriff, sondern wird durch vielfältigste assoziationen abgelenkt.
er meinte, es wäre für uns etwas schamhaften mädchen weitaus einfacher, wenn zum beispiel die ohren einer seltenen chinchilla-art auch "möse" heissen würde, denn dann würden wir automatisch an flauschige, braune, klitzekleine mösen denken und mit einem seligen lächeln unserer vagina absolution gewähren.

im grunde genommen haben wir ja schon die "pussy" und die "muschi" für uns entdeckt, aber wenn es denn hilft, möchte ich doch bitte an dieser stelle an alle tierforscher auf der welt einen appell richten:

sehr geehrte damen und herren tierforscher,

falls sie mal wieder so durch die gegend forschen
(im moment weiss ich nicht genau, wo chinchillas überhaupt in freier wildbahn vorkommen)
und durch zufall eine noch nie dagewesene chinchilla-art entdecken,
so machen sie sich doch bitte die mühe
und bezeichnen die ohren des possierlichen tierchens
als "mösen".
muss ja nicht gleich das ganze vieh sein, welches so benannt wird.
uns frauen reicht schon der kleine finger, wir brauchen nicht die ganze hand.
vielen dank schonmal im voraus

ihre tess (zuggermuddi)

Dienstag, 31. Mai 2005

beim bäcker

beim bäcker
herr a.
nennen wir ihn herrn a.
also, herr a. steht neben mir
natürlich weiss jede bäckereifachverkäuferin in diesem laden
dass herr a. herr a. heisst
jeden samstag wieder
dieselbe tüte mit denselben brötchen
zurselben uhrzeit mit
denselben floskeln entgegengenommen

heute
existierten
warumauchimmer
keine schokoladen-croissants
in der a.-tüte hätten zwei sein sollen
er ist ausser sich
in sich
ausserhalb aber ruhig
nur die quietschenden reifen seines leasing-bmw
haben ihn verraten
er fährt empörtwütendzerrüttet nach hause
dort wird er seine kinder und seine frau anschreien
projektion auf dem rücken eines mehlproduktes.

Donnerstag, 19. Mai 2005

morgens um acht uhr in deutschland

mein wecker klingelte heute morgen um 7 uhr und ich sass sofort senkrecht im bett, ohne mich, so wie normalerweise, noch zwei- oder dreimal seufzend umzudrehen.
ich wusste instinktiv im halbschlaf, dass heute ein besonderer tag war: der tag, an dem die preise für das bahnfahren revolutionär günstig sein würden, wenn man es schaffte, um kurz vor acht beim ortsansässigen lidl zu sein, um eine sonderaktion in anspruch zu nehmen, die die deutsche bahn mit lidl in kooperation anbietet, um auch zugunwillige leute aufs schienenetz zu locken.

da ich eine klassische fernbeziehung führe, in der es alle paar wochen gilt, 700 kilometer zu überbrücken, ist dieses angebot für mich unschlagbar, denn selbst mit dem sparpreis 50 zahle ich normalerweise für eine hin- und rückfahrt, hamburg - pforzheim, mindestens 100 euren, 49,90 euro sind demnach ein guter grund heute das duschen sein zu lassen, flott in die klamotten zu hopsen und den direkten weg zu unserem lidl zu nehmen.

...was ich nicht wusste, war dass es besser gewesen wäre, eine nahkampfausrüstung anzulegen, bevor ich das gelände des supermarktes betrat...

unser lidl ist normalerweise ein kleiner supermarkt, idyllisch gelegen zwischen kuhwiesen und einzelhäusern mitten in einem dorf, die leute grüssen sich freundlich und bleiben in der regel auf einen kleinen plausch zwischen gemüseregalen und wurstabteilung stehen, an der kasse stehen nie mehr als drei leute und parkplätze sind immer zu genüge vorhanden, so dass keiner auf die idee käme, einen behindertenparkplatz zu belegen.


heute morgen 7.48 uhr:

ich biege ab auf den lidl-parkplatz, der voll belegt ist, sogar die 2 behindertenparkplätze werden von 3 autos dicht an dicht erobert,
eine traube von menschen drängt sich vor den eingangstüren, mütter halten krampfhaft ihre kleinkinder an den händen, einige ziehen aufgeregt an ihren zigaretten, die luft vibriert vor anspannung

7.50 uhr:

ich habe einen parkplatz gefunden, indem ich meine karre an einen zaun gequetscht habe und mich fakirgleich aus dem auto schlängele (nennt mich elasti-girl ), ich stelle mich als nummer 124 hinten in der schlange an

7.50 uhr bis 8 uhr:

gerüchte kursieren durch die reihen:

"ich habe gehört, es gibt nur 10 karten" (aufgeregtes raunen, zähnefletschen und füssescharren)

"man kann sich, wenn man keine bekommt, in eine liste eintragen lassen" (mindestens 20 leute wühlen panisch in ihren taschen auf der suche nach einem kugelschreiber)

"tz....das ist ja typisch, der da vorne hat sich einen einkaufswagen geholt und stellt sich damit vorne an" (messer werden gewetzt)

"die kaufen bestimmt jeder zwanzig karten, dann ist nach 10 leuten schluss" (alles drängt sich noch näher an den eingang, schweissporen öffnen sich, gesichter verschliessen sich)

ein ahnungsloser rentner betrachtet staunend die massen:
"ja, gibt es denn etwas umsonst heute?"

8.00 uhr:

die eingangstür wird nicht aufgeschlossen,
erste protestrufe:
"scheisse, es ist acht uhr, macht endlich auf hier"
einige rütteln und klopfen an den glastüren
(hätte mich nicht gewundert, wenn erwin seine annegret nochmal zum kofferraum geschickt hätte, um das brecheisen rauszuholen)

8:03 uhr:

eine vollkommen verängstigte kassiererin öffnet mit zitternden händen erst den ausgangs- dann den eingangsbereich, die türen werden aufgerissen, von einer zivilisierten schlange ist nichts mehr zu erkennen, jeder will der erste sein, es wird geschubst, gedrängelt und gebrüllt....geifer pflastert meinen weg zum alles erlösenden eingang.
einige benutzen gleich die ausgangstüren, um den direkten weg zur kasse zu nehmen, was bei einigen herren, die ordnungsgemäss den eingang verwendet haben, mordgelüste hervorruft

8.07 uhr:

ich stehe in eine der drei kassenschlangen,
ruhe kehrt ein, als alle bemerken, dass die stapel der heiss ersehnten karten neben den kassiererinnen hoch genug scheinen,
tumult ensteht nur kurz, als sich herausstellt, dass man nicht mehr als 4 karten kaufen darf und jemand für seine kelly-family-mässige grossfamilie 15 karten haben will (fieses raunen hinter mir: "der lügt doch, der will die alle auf ebay verscherbeln!")

8.10 uhr:

die kassensysteme brechen alle paar minuten zusammen, wenn leute mit karte zahlen wollen, da alle kartenserver total überlastet sind, ganz deutschland steht bei lidl.
die leute, die bargeld in ihren schwitzenden händen krampfhaft festhalten, regen sich lautstark über die kartenzahler auf, die den ganzen verkehr lahmlegen und sich doch hinten anstellen sollen.
ich fürchte um leib und leben und verstecke unauffällig meine ec-karte in der jackentasche.

8.15 uhr:

ich stehe an der kasse, die postbank ist mir gnädig, es dauert nur eine minute bis mein betrag gebucht ist. meine 2 kartenumschläge stecke ich sofort ein, wel ich befürchte, dass der kellyfamily-mann noch einmal auftaucht und sie mir aus den händen reisst

8.20 uhr:

ich verlasse den lidl-parkplatz und habe das dringende bedürfnis, eine zu rauchen. ein bier wäre jetzt auch nicht schlecht.

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