Donnerstag, 29. September 2005

weitergehen...

"manchmal kritzel ich briefe auf fahrkarten, nur um sie anschließend wieder wegzuschmeissen. ungeschriebenes. ich frage mich ob ich zu alt für manche dinge bin, die menschen um mich herum heiraten und vermehren sich. und ich trinke in einer bar caipirinha und mag doch keine limetten. man hat herausgefunden dass in zuckerbehälter der cafes spermaspuren zu finden sind, ... wir sassen zuerst allein` dort, in dem kino, dann kamen die zwei lesbischen päärchen. ob einer die zeichen deutet? ich kenne menschen die können aus der hand lesen, aber keiner kann es aus gesichtern. im herbst breitet sich die schwarze welle aus und legt schatten um die münder. aber es sagt ja doch keiner etwas. warten auf etwas was nicht kommt, ist wie stochern in warmen apfelstrudel. wenn man lange genug bohrt, stösst man auf matsch. apfelmatsch. gedankenmatsch. warme gedanken sind gut, sagt meine oma. wenn`s dich friert kannst du auch eine jacke umlegen, für alles gibt es warme jacken. und taxifahrer. und väter."

(m./ close yet far)

nur schade, dass es keine jacken mit eingebautem fallschirm gibt.
das fliegen war immer so einfach, ein selbstverständlicher zustand geboren aus einer leichtigkeit, die sich an der letzten bushaltestelle freundlich, aber bestimmt, verabschiedet hat. glutäugige prinzen mit weissen rössern halten sowieso nicht dort, nur derselbe fahrer, der immer stumm dieselben menschen ein- und auslädt und ihnen trotzdem nie in die augen schaut.
und ich sitze auf der bank, male mit dem schuh muster in den aufgeweichten matsch, der auf dem gehweg klebt. ich glaube, ich gehe doch besser zu fuss, lieber stolpersteine als stillstand. lieber zwei schritte vor und drei zurück im regen tanzen als auch noch das laufen zu verlernen.
und morgen werde ich den caipirinha mit zitronen bestellen, sauer macht lustig.

und morgen geht ein gedanke auf reisen.
findet dein ohr
und dein herz.

Sonntag, 11. September 2005

ohje, du fröhliche...

liebe marzipankartoffel-fetischisten, spekulatius-vernichter, dominosteine-verschlinger und lebkuchen-liebhaber,

die saison ist eröffnet!

unser pennymarkt hat gestern bei 25°c aussentemperatur in seinen gängen das weihnachtssortiment aufgestellt, ich konnte es mir nicht verkneifen, der frau an der kasse "frohe weihnachten" zu wünschen.

Donnerstag, 8. September 2005

alles maggi, oder was?

sehr geehrtes maggi-kochstudio,

es war ziemlich warm die letzten tage. zu warm, wenn sie mich fragen. die sonne brennt einem seit geraumer zeit auf den kopf und reduziert das hirn auf eine kleine, schrumpelige masse, die nur noch die grundversorgung des körpers garantiert.

in meinem fall machte das not-und-wärme-sparprogramm mit einem deutlichen magenknurren, gefolgt von einem röhrenden, rumpelnden ton in meinen eingeweiden darauf aufmerksam, dass nahrungszufuhr in der nächsten halben stunde ganz angebracht wäre. andererseits stöhnte der teil meines gehirnes, der für die motorik zuständig ist, dass allzuviel bewegung in irreparabler erschöpfung münden würde.

die lösung dieses recht schwierigen problems, in dem zwei systeme meines körpers um selbsterhalt kämpften, lag recht nah und ich möchte feststellen, dass sie, liebe maggi-tanten und -onkel, quasi den grundstein für die lösung gelegt haben. das stichwort lautet: fix...denn fixer als mit ihren pulverisierten lebensmitteln kann man gar nicht etwas warmes auf den tisch zaubern.

also quälte ich mich zu meinem küchenregal, um die ausbeute des letzten einkaufes in augenschein zu nehmen.

bei diesem wetter musste es etwas leichtes sein, am besten etwas, auf dem man nicht stundenlang rumkauen muss (siehe körperliches sparprogramm) und das den magen beschäftigt, aber nicht mit einem allzu komplexen verdauungsvorgang überfordert.
mir lächelte eine tüte tomatensuppe zu, auf der der umriss eines extrem schlanken menschen, der euphorisch seine arme in die höhe streckt, abgebildet war. die tüte wisperte: "feel good". und nichts traf den kern meiner sehnsucht mehr, als mich good zu fühlen.
von einem ökologisch korrekten grün umrandet prangte mir verlockend der aufdruck "+folsäure" entgegen, demnach sollte ein teller davon so viel enthalten wie zwei frische tomaten.
na wunderbar, lächelte ich verzückt, da soll mal einer sagen, dass 50 gramm pulver nichts gesundes enthalten.

das wasser brodelte mittlerweile im kochtopf, exakt 500 ml, des lesens mächtig, befolgte ich artig die packungsbeilage..."nur noch öffnen und reinschütten" murmelte ich, griff zur schere, schnitt den oberen rand ab und erstarrte... aus der tüte schlug mir ein geruch entgegen, der in etwa dem eines vom regen feuchten, männlichen schabrackentapires auf brautschau entsprach, so zumindest stellte ich mir den geruch dieses possierlichen tieres vor. vielleicht hätte es auch ein dsungarischer zwerghamster, der kurz vor seiner letzten ölung sein letztes kleines, weltliches geschäft herauspresst, sein können
...missbilligend verzog sich meine stirn. wenn ich schabrackentapire oder zwerghamster hätte verspeisen wollen, hätte ich fallen in unserem garten aufgestellt oder die drei meerschweinchen meines vermieters in die pfanne gehauen und keine suppentüten geöffnet.

der hunger und mein optimismus überwogen, mit todesverachtung kippte ich den inhalt der tüte in den kochtopf, wo er sich binnen null komma nichts auflöste und gepaart mit wasserdampf meine olfaktorischen empfindungen beim öffen der tüte übertrumpfte und nun blubbernd seinen weg in meine irritierte nase bahnte.

ich versuchte mich zu beruhigen, vielleicht rührte der gestank von der folsäure her, deren geruch ich damals im chemieunterricht schlichtweg nicht kennen- und liebengelernt hatte, weil ich meist durch abwesenheit glänzte, was mir im 12. jahrgang berechtigte drei punkte auf dem zeugnis bescherte.
meinem chemielehrer schrieb ich in einer klausur auf das ansonsten weisse blatt, dass es mir leid täte, nicht gelernt zu haben, dass ich aber nicht gedenken würde, die mickrigen punkte dieses faches in mein abitur mit einzubringen, ja, sogar im gegenteil vor hätte, diesen kurs alsbald abzuwählen.

damals wurde ich zum direktor zitiert, der mir einen vortrag darüber hielt, dass angehende abiturientinnen ein wenig mehr begeisterung für das existente schulsystem aufbringen müssten, um nicht irgendwann bei aldi an der kasse zu landen, die im übrigen nicht ihre produkte vertreiben, aber was schreibe ich da, ich schweife vom wesentlichen ab.

ich feelte mich also überhaupt nicht gut, mir war schon schlecht, bevor die tomatensuppe überhaupt auf meinem teller landete. drei minuten musste das gebräu noch kochen und in dieser zeit bildeten sich neben den obligatorischen blasen seltsame orange-graue inseln, die unter umständen von dem pulverisierten olivenöl herrührten, das langsam wieder einen flüssigen zustand einnahm.

auch die grünen punkte, die den wiederbelebten basilikum darstellten, konnten mich nicht darüber hinwegtrösten, dass der schabrackentapirartige-geruch exponential zur kochzeit anschwoll und mittlerweile die ganze wohnung durchflutete und meine kleinen monster dazu veranlasste, mir mitzuteilen, dass sie noch vom schulbrot/ kindergarten-snack satt waren.

nun weiss ich sehr wohl, dass es lebensmittel gibt, die bis zum himmel stinken, auf dem gaumen dennoch ungeahnte glücksgefühle herbeizaubern. die frau an der käsetheke des supermarktes meines vertrauens kann diese these sicherlich belegen, wenn sie meiner freundin den teller mit den käsespiessen zum probieren hinhält, der nach feuchtschimmeligen füssen riecht, nachdem man drei tage lang mit synthetischen socken und gammeligen turnschuhen durch die wüste gobi gejoggt ist, und die gute nicht, wie es der anstand gebietet, dankend ein stück animmt, sondern den ganzen teller leerfuttert und dabei anerkennende geräusche von sich gibt, die nach "öööööööhmjanmjamhmpfgnnnnmjam" klingen.

insofern war ich gewillt, das kochexperiment nicht an ort und stelle abzubrechen, sondern mir einen teller aufzufüllen, um die suppe auszulöffeln, die ich mir selbst eingebrockt hatte.

ich traute meinen augen kaum, auf meinem teller hockte ein schabrackentapir, der hähmisch grinste und "feel good" flüsterte, während er langsam in der rotorangenen brühe versank. ich erschlug ihn mit meinem löffel, schloss die augen und probierte...

sie erwarten jetzt bestimmt, dass sich all die vorangegangenen erlebnisse in wohlgefallen auflösen, eine zufriedene konsumentin den inhalt ihres tellers förmlich inhaliert, während die geschmacksnerven ungeduldig nach "mehrmehrmehr" johlen.

doch leider muss ich sie enttäuschen.

nach drei löffeln kapitulierte ich entnervt, kroch zum kühlschrank und schmierte mir unter aufgebot meiner letzten kraftreserven eine wurst-stulle, während sich meine toilette über gänzlich neuen input freute, der jetzt den ratten in der kanalisation zu schaffen macht.

meine damen und herren, ich liebe ihre fix-produkte, der bauerntopf schmeckt wirklich grandios, auch der winzertopf ist nicht zu verachten und ihre stinknormale tomatensuppe ohne folsäure und good-feel-effekt erfreut normalerweise das herz unserer kleinen familie, aber bei dieser tomatensuppe mit basilikum und olivenöl müssen ihre testesser allem anschein nach unter einer grippe-epidemie gelitten haben, die alle gustatorischen fähigkeiten lahmgelegt hat, so dass alle probanten den daumen hoch gehalten haben, aus angst, ihren arbeitsplatz zu verlieren.

ich bitte sie hiermit inständig, die zusammensetzung ihres produktes zu überdenken, ein wenig mehr tomate und dafür weniger tapirgeschmack wären von vorteil, wenn sie mich als kundin erhalten wollen.

mit freundlichen grüssen

ihre tess (zuggermuddi)

p.s. die zweite, unselige tüte dieses produktes werde ich meiner tante vorsetzen, wenn sie einmal zu besuch kommen sollte, ich konnte sie noch nie richtig leiden.

Mittwoch, 31. August 2005

der kleine-monster-wahl-o-mat

das kinderzimmer sieht aus wie aus einem prospekt für neue meister proper-produkte und dieser zustand wird meinen berechnungen nach noch genau 24 stunden anhalten, denn dann haben wir allerspätestens unser persönliches erdbeben gehabt in form von zwei kindern, deren daseinsberechtigung sich anscheinend nur daraus ableitet, dass sie binnen möglichst kurzer zeit so viele kisten wie möglich ausräumen, den auf dem fussboden enstandenen berg noch mal ordentlich durchrühren, damit eine möglichst undurchdringliche masse entsteht und entzückungsschreie ausstossen, wenn die liebe mama hilflos mit den armen rudert, nachdem sie auf lego/ murmeln/ plastikspinnen (beliebig erweiterbar: hauptsache klein und hart und bohrt sich unerbittlich in zarte frauenfüsse) ausgerutscht ist, um dann mitten im chaos zu versinken.

und dann die weisheit aus unerbittlichem kindermund, denn nur sie und betrunkene verkünden die unumstössliche wahrheit:
"mama, wenn ich wählen könnte, würde ich die fdp wählen."

ein verwirrtes "warum?" aus meinem mund, während ich vorsichtig meinen fuss richtung mund biege, um die hämathome durch zartes pusten zu besänftigen, geschundene füsse, die nie wieder das reich der zwerge betreten wollen.

"ist doch klar, die haben die meisten plakate in der stadt hängen"

na dann gut' nacht, liebe chaostruppe, möget ihr auf einer westerwelle ins land der träume gleiten.

Mittwoch, 10. August 2005

dumme angewohnheiten

jeden morgen das bett machen
kissen klopfen
decken falten
obwohl ich das haus verlasse
und die einizige bin
die einen schlüssel hat.

jeden tag das online-banking öffnen
den kontostand hypnotisieren
in der hoffnung
dass eine gute fee
rot in schwarz verwandelt
obwohl der monat noch lang ist.

jeden abend die zigarette danach
wenn alles still ist
mit einem eukalyptus-extra-stark-bonbon kombinieren
obwohl es mentholzigaretten gibt
die mir nach 10 jahren immernoch nicht munden.

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