sehr geehrtes maggi-kochstudio,
es war ziemlich warm die letzten tage. zu warm, wenn sie mich fragen. die sonne brennt einem seit geraumer zeit auf den kopf und reduziert das hirn auf eine kleine, schrumpelige masse, die nur noch die grundversorgung des körpers garantiert.
in meinem fall machte das not-und-wärme-sparprogramm mit einem deutlichen magenknurren, gefolgt von einem röhrenden, rumpelnden ton in meinen eingeweiden darauf aufmerksam, dass nahrungszufuhr in der nächsten halben stunde ganz angebracht wäre. andererseits stöhnte der teil meines gehirnes, der für die motorik zuständig ist, dass allzuviel bewegung in irreparabler erschöpfung münden würde.
die lösung dieses recht schwierigen problems, in dem zwei systeme meines körpers um selbsterhalt kämpften, lag recht nah und ich möchte feststellen, dass sie, liebe maggi-tanten und -onkel, quasi den grundstein für die lösung gelegt haben. das stichwort lautet: fix...denn fixer als mit ihren pulverisierten lebensmitteln kann man gar nicht etwas warmes auf den tisch zaubern.
also quälte ich mich zu meinem küchenregal, um die ausbeute des letzten einkaufes in augenschein zu nehmen.
bei diesem wetter musste es etwas leichtes sein, am besten etwas, auf dem man nicht stundenlang rumkauen muss (siehe körperliches sparprogramm) und das den magen beschäftigt, aber nicht mit einem allzu komplexen verdauungsvorgang überfordert.
mir lächelte eine tüte tomatensuppe zu, auf der der umriss eines extrem schlanken menschen, der euphorisch seine arme in die höhe streckt, abgebildet war. die tüte wisperte: "feel good". und nichts traf den kern meiner sehnsucht mehr, als mich good zu fühlen.
von einem ökologisch korrekten grün umrandet prangte mir verlockend der aufdruck "+folsäure" entgegen, demnach sollte ein teller davon so viel enthalten wie zwei frische tomaten.
na wunderbar, lächelte ich verzückt, da soll mal einer sagen, dass 50 gramm pulver nichts gesundes enthalten.
das wasser brodelte mittlerweile im kochtopf, exakt 500 ml, des lesens mächtig, befolgte ich artig die packungsbeilage..."nur noch öffnen und reinschütten" murmelte ich, griff zur schere, schnitt den oberen rand ab und erstarrte... aus der tüte schlug mir ein geruch entgegen, der in etwa dem eines vom regen feuchten, männlichen schabrackentapires auf brautschau entsprach, so zumindest stellte ich mir den geruch dieses possierlichen tieres vor. vielleicht hätte es auch ein
dsungarischer zwerghamster, der kurz vor seiner letzten ölung sein letztes kleines, weltliches geschäft herauspresst, sein können
...missbilligend verzog sich meine stirn. wenn ich schabrackentapire oder zwerghamster hätte verspeisen wollen, hätte ich fallen in unserem garten aufgestellt oder die drei meerschweinchen meines vermieters in die pfanne gehauen und keine suppentüten geöffnet.
der hunger und mein optimismus überwogen, mit todesverachtung kippte ich den inhalt der tüte in den kochtopf, wo er sich binnen null komma nichts auflöste und gepaart mit wasserdampf meine olfaktorischen empfindungen beim öffen der tüte übertrumpfte und nun blubbernd seinen weg in meine irritierte nase bahnte.
ich versuchte mich zu beruhigen, vielleicht rührte der gestank von der folsäure her, deren geruch ich damals im chemieunterricht schlichtweg nicht kennen- und liebengelernt hatte, weil ich meist durch abwesenheit glänzte, was mir im 12. jahrgang berechtigte drei punkte auf dem zeugnis bescherte.
meinem chemielehrer schrieb ich in einer klausur auf das ansonsten weisse blatt, dass es mir leid täte, nicht gelernt zu haben, dass ich aber nicht gedenken würde, die mickrigen punkte dieses faches in mein abitur mit einzubringen, ja, sogar im gegenteil vor hätte, diesen kurs alsbald abzuwählen.
damals wurde ich zum direktor zitiert, der mir einen vortrag darüber hielt, dass angehende abiturientinnen ein wenig mehr begeisterung für das existente schulsystem aufbringen müssten, um nicht irgendwann bei aldi an der kasse zu landen, die im übrigen nicht ihre produkte vertreiben, aber was schreibe ich da, ich schweife vom wesentlichen ab.
ich feelte mich also überhaupt nicht gut, mir war schon schlecht, bevor die tomatensuppe überhaupt auf meinem teller landete. drei minuten musste das gebräu noch kochen und in dieser zeit bildeten sich neben den obligatorischen blasen seltsame orange-graue inseln, die unter umständen von dem pulverisierten olivenöl herrührten, das langsam wieder einen flüssigen zustand einnahm.
auch die grünen punkte, die den wiederbelebten basilikum darstellten, konnten mich nicht darüber hinwegtrösten, dass der schabrackentapirartige-geruch exponential zur kochzeit anschwoll und mittlerweile die ganze wohnung durchflutete und meine kleinen monster dazu veranlasste, mir mitzuteilen, dass sie noch vom schulbrot/ kindergarten-snack satt waren.
nun weiss ich sehr wohl, dass es lebensmittel gibt, die bis zum himmel stinken, auf dem gaumen dennoch ungeahnte glücksgefühle herbeizaubern. die frau an der käsetheke des supermarktes meines vertrauens kann diese these sicherlich belegen, wenn sie meiner freundin den teller mit den käsespiessen zum probieren hinhält, der nach feuchtschimmeligen füssen riecht, nachdem man drei tage lang mit synthetischen socken und gammeligen turnschuhen durch die wüste gobi gejoggt ist, und die gute nicht, wie es der anstand gebietet, dankend ein stück animmt, sondern den ganzen teller leerfuttert und dabei anerkennende geräusche von sich gibt, die nach "öööööööhmjanmjamhmpfgnnnnmjam" klingen.
insofern war ich gewillt, das kochexperiment nicht an ort und stelle abzubrechen, sondern mir einen teller aufzufüllen, um die suppe auszulöffeln, die ich mir selbst eingebrockt hatte.
ich traute meinen augen kaum, auf meinem teller hockte ein schabrackentapir, der hähmisch grinste und "feel good" flüsterte, während er langsam in der rotorangenen brühe versank. ich erschlug ihn mit meinem löffel, schloss die augen und probierte...
sie erwarten jetzt bestimmt, dass sich all die vorangegangenen erlebnisse in wohlgefallen auflösen, eine zufriedene konsumentin den inhalt ihres tellers förmlich inhaliert, während die geschmacksnerven ungeduldig nach "mehrmehrmehr" johlen.
doch leider muss ich sie enttäuschen.
nach drei löffeln kapitulierte ich entnervt, kroch zum kühlschrank und schmierte mir unter aufgebot meiner letzten kraftreserven eine wurst-stulle, während sich meine toilette über gänzlich neuen input freute, der jetzt den ratten in der kanalisation zu schaffen macht.
meine damen und herren, ich liebe ihre fix-produkte, der bauerntopf schmeckt wirklich grandios, auch der winzertopf ist nicht zu verachten und ihre stinknormale tomatensuppe ohne folsäure und good-feel-effekt erfreut normalerweise das herz unserer kleinen familie, aber bei dieser tomatensuppe mit basilikum und olivenöl müssen ihre testesser allem anschein nach unter einer grippe-epidemie gelitten haben, die alle gustatorischen fähigkeiten lahmgelegt hat, so dass alle probanten den daumen hoch gehalten haben, aus angst, ihren arbeitsplatz zu verlieren.
ich bitte sie hiermit inständig, die zusammensetzung ihres produktes zu überdenken, ein wenig mehr tomate und dafür weniger tapirgeschmack wären von vorteil, wenn sie mich als kundin erhalten wollen.
mit freundlichen grüssen
ihre tess (zuggermuddi)
p.s. die zweite, unselige tüte dieses produktes werde ich meiner tante vorsetzen, wenn sie einmal zu besuch kommen sollte, ich konnte sie noch nie richtig leiden.
zuggermuddi - 8. Sep, 21:04