sie verliess mich an einem verregneten donnerstag
ohne ankündigung
hat alles mitgenommen
erinnerungen
wichtige unterlagen
bilder
meine musik
ich hasse sie
und wollte sie dennoch wieder haben
habe erst gemerkt wie abhängig ich war
nachdem sie sich aus dem staub gemacht hat
sie war mein zeitvertreib
unterstützte mich bei der arbeit
grundlage für meine muse
immer an meiner seite
in einsamen abendstunden
und an kaffeegeschwängerten morgen
wochenlang missbrauchte ich andere
an öffentlichen plätzen
an denen mir jeder über die schulter schauen konnte
fuhr zu freunden
die mir ihre ausliehen
um flüchtige augenblicke zu geniessen
die mir aber nie gehören würden
nun habe ich eine neue
ein billiges stück
sie verschafft mir das nötigste
ist aber ein armseliger ersatz
klein und nichtssagend
laut und aufdringlich
und trotzdem kann ich nicht die finger davon lassen
oh lord, won't you buy me...
zuggermuddi - 27. Apr, 20:58
gestern beim hobeln der möhren für den salat passierte es:
der böse hobel verwechselte meinen daumen mit einer karotte und hobelte sich dreisterweise in meinen finger. blut spritzte, verteilte sich auf meinem küchenschrank und auch auf dem fussboden. das kleinste monster quiekte entsetzt: "mama, du bluteeeeest!", während ich still und leise kurz im badezimmer verschwand, mir ein kinderpflaster organisierte (mit einem elefanten drauf, wen es interessiert), den schnitt verarztete, die besudelte küchenablage reinigte und mir dann ungerührt die nächste geschälte möhre nahm, um diese in dünne scheiben zu verwandeln.
heute telefonierte ich mit dem liebsten, der gerade in der küche stand und geschirr abwusch. mitten im gespräch erschallten plötzlich unartikulierte schreie aus dem hörer, die mich, wenn ich nicht reflexartig den hörer einen halben meter von meinem ohr weggehalten hätte, mein gehör gekostet hätten, gepaart mit den unerhörtesten flüchen, bei denen sogar einem kesselflicker die ohren gewackelt hätten und ein katholischer pfarrer sicherlich nicht abgeneigt gewesen wäre, den liebsten zu exkommunizieren oder gleich einen exzorzisten vorbeizuschicken.
als ich mich besorgt danach erkundigte, was überhaupt geschehen sei, wurde ich unwirsch angebrüllt, dass er sich gerade in den finger geschnitten hätte... an einem zerbrochenen weinglas und somit quasi eine nahtoderfahrung erlebt hätte....und dass er mich zurückrufen würde, sobald er sich verarztet habe, falls er diesen schnitt überhaupt überleben würde, was nicht gewiss wäre, weil er bluten würde wie ein abgestochenes schwein.
ich legte ein wenig beleidigt auf, denn nicht ich hatte ein weinglas genommen, kräftig an einer tischkante zerschlagen, um ihm dann die finger oder schlimmeres abzuhacken (obwohl ich mich nach dem telefonat kurzzeitig in passender stimmung befand), also warum hatte er mich angeschrieen?
nach fünf minuten kam immernoch kein rückruf, so dass ich aufmerksam und sorgenvoll, wie ich nunmal bin, einen weiteren anruf tätigte, damit ich im notfall einen krankenwagen vorbeischicken konnte, der seinen finger gelagert in einer eisbox mit viel tatütata ins krankenhaus transportiert, während er daneben sitzt und ab und an tränenreich über die tiefkühlbox streichelt und seinem finger mutmachende worte zuflüstert.
nach dem zweiten klingeln war er aber schon am apparat und teilte mir mit, dass er ein pflaster gefunden und über den schnitt geklebt habe. na prima, dachte ich, happy end, finger noch dran, alles gut.
aber nein....nicht mit dem liebsten, der zur zweiten runde in seiner selbstmitleidstirade ansetzte:
es würde sososoooooooooooooo wehtun
(jammernder unterton)
er würde gleich sterben
(verzweifeltes röcheln)
bestimmt würde er verbluten, wenn er das pflaster wieder abnehmen würde
(angstvolles schluchzen)
aaaaaaaaaaah, es wäre so furchtbar, er wäre ein schwerstverletzter und dem tode knapp entronnen
(manische schreie)
und
es würde sososoooooooooo wehtun
(erneut jammmernder unterton)
und ob ich ihn den gar nicht trösten wolle?
(trauriges schniefen am anderen ende des hörers)
mir fehlten in dem moment die passenden worte, wahrscheinlich wäre es ihm sowieso am liebsten gewesen, wenn ich im krankenschwesterkostüm den rest des abwasches übernommen hätte, das essen gekocht, die küche aufgeräumt hätte, um mich danach zu ihm aufs sofa zu setzen und ihn gehörig zu... verarzten.
manchmal haben fernbeziehungen durchaus ihre vorteile, wie ich finde. wer weiss, wie lange der arme, gebeutelte mann diese ich-muss-sterben-nummer durchgezogen hätte, wenn wir uns eine wohnung teilen würden? männer haben, was das angeht, unendliches durchhaltevermögen.
wenn sie krank sind, sind sie grundsätzlich sterbenskrank, wenn sie verletzt sind, ist es IMMER eine fast tödliche geschichte.
sie liegen dann wie kleine käfer zappelnd auf dem rücken, in der erwartung streicheleinheiten zu empfangen gepaart mit der mitgebrachten lieblings-dvd aus der videothek oder sie starren leidend auf ihre partnerinnen, die sich bemühen, den gamecube zu installieren und danach in der küche verschwinden, um berge von appetitlichen genesungshäppchen zu kreieren.
so konnte ich das trostprogramm auf ein paar durchgeknallte synapsen in meinem kopf reduzieren, die ein wenig wirre lyrik erschaffen haben und komme hiermit meinem versprechen nach, welches ich am telefon gab, mich salbungsvoll dem troste seines fingers hinzugeben:
gar wunderbare trostworte für den finger
oh geschnitten
an tückischem glas
schmerz
über den der liebste das lächeln vergaß
schrie und wand sich vor qual
das erschrockene ohr seiner maid
ward ihm egal
blut, oh unseliges blut
über den geschundenen finger laufen tut
nichts mehr gut
nur noch pein
da half nur ein pflasterlein!
wäre ich dort
an diesem unseligen ort
küsste ich deinen finger sanft
damit der schmerze dich nicht verkrampft
oh holder geliebter
höre, was königinnenmutter sprach:
bis zur hochzeit
vergangen die schmach
bis zur ehe vergangen dein leid
hast ja noch ein paar jahre zeit
zuggermuddi - 29. Jan, 20:42
nichts ist schwerer, als dem kind einen namen zu geben, vorallem wenn dieses kind jung, dynamisch und erfolgreich sein soll.
all diese attribute wurden ihm schon in die wiege gelegt, obwohl es jahrelang namenlos auf dieser welt existierte.
dem kind des liebsten wurde in den letzten wochen eine besonders intensive form der gedanklichen zuneigung zuteil:
emails wurden geschrieben, die wirren des weltweiten webs durchschritten, freunde und fremde befragt, der eigene kopf nach verborgenen schätzen durchforstet, immer auf der suche nach dem schwer zu beschreibenden erlebnis, das dem liebsten das selige lächeln auf das gesicht zaubern sollte.
das erlebnis, welches die kreativ-front im kopf die schilder laut jubelnd hochhalten lässt: "hundert punkte, alter" und die dann laut stampfend "das isses, das isses!" kräht.
nächtelang wälzte sich der liebste im bett hin und her, seufzte laut, begrub die nase im kopfkissen und murmelte die gewagtesten wortkreationen vor sich hin, lauschte in sein innerstes, wo die kreativ-front, beleidigt und mürrisch dreinblickend, stumm die köpfe schüttelte. all die worte, im dunkeln ausgesprochen, perlten seufzend von den wänden, gesagt, verkannt, aus dem kopf verbannt. sie begleiteten mich nach der, ich weiss nicht wievielten,schlaflosen nacht aufgrund von partnerschaftlicher empathie nur noch als konsonanten-und-vokale-brei ins land der träume, wo sie als bunt schillernde buchstaben um mich herum schwebten und mir ins ohr wisperten: "wenn du meinen namen nicht errätst, musst du mir deine nächste tafel kinderschokolade schenken, heute back ich, morgen brau' ich, übermorgen entziehe ich der muddi ihre nahrungsgrundlage...hihihi".
wie von der tarantel gestochen, fuhr ich aus meinen träumen hoch. ach, ach liebster, so kann es doch nicht weitergehen, dachte ich mir.
du und deine agentur, was macht ihr nur?
dieser irrsinn musste ein ende finden, wenn ich nicht in zukunft meinen morgen mit dem zählen der ringe unter meinen augen beginnen und den tag mit der handhabung einer packung oropax beenden wollte. ich beschloss, die namenspatin dieses kindes zu werden und das problem auf pragmatische art und weise zu lösen. agentur, wie nenne ich dich nur?
klarer fall, tabula rasa im kopf anordnen und den ersten jungfräulichen gedanken der verborgenen wort-lotterie als sechs-richtige deklarieren.
stille.
absolute stille im gedankenkarussell.
gut.
durchatmen.
nichts denken.
nichts.
und jetzt.
BRODELNDER BOLEM
wie bitte? brodelnder bolem? die stochastik meiner gedankenmaschine brachte also fragmente einer "wilden reise durch die nacht" ans (monden)licht? na gut, wenn es denn sein muss.
immerhin eine alliteration.
und irgendwie klingt das "brodelnd" nach aktiven prozessen, nach kreativität, nach potential, nach dynamik. und sitzen wir nicht alle gemeinsam im selben bolem? (bei diesem gedanken unterdrückte ich krampfhaft ein irres kichern), schlaf nur liebster, der erste gedanke wird der beste sein! und um so öfter ich es vor mich hinmurmelte, um so besser klang es. brodelnderbolembrodelnderbolembrodelnderbolembrodelnderbolembrodelnderbolem
erleichtert schlief ich zum klang meiner gemurmelten monotonie ein.
am nächsten abend unterbreitete ich dem liebsten meinen vorschlag, als er gerade erneut zu einer namensfindungslitanei im gemeinsamen bett ansetzen wollte: "ich weiss, wie wir die agentur nennen werden. brodelnder bolem. bro-deln-der boooooooolem. schluss. aus. fertig ist die laube. jawohl, der herr, daran führt kein weg vorbei."
er schaute mich dermassen entgeistert an, dass man denken konnte, dass er lieber eine verbale autobahn um den brodelnden bolem gebaut hätte, anstatt sich noch einmal mit diesem gedanken auseinanderzusetzen. mich beschlich die leise ahnung, dass meine euphorie nicht geteilt werden würde und zeitgleich eine unbestimmte angst, dass meine tiefschlafphase in nächster zeit ein wunschgedanke bleiben würde, erstickt von tausend potentiellen-namen-gedanken.
ich versuchte zu erklären, was man mit dem wort "brodelnd" spontan assozieren könnte, blieb aber leider zunächst an bohnensuppe im bauch kombiniert mit warmen badewasser hängen. nicht alle ersten gedanken tragen einen goldenen glorienschein.
auch mein vorschlag, dass alle mitarbeiter sich passend zum neuen namen umbennen könnten: "hallo hier spricht brinkfried brodem, brodelnder bolem" wurde mit einer verächtlich hochgezogenen augenbraue kommentiert. mittlerweile wälzte ich mich kichernd auf dem bett hin- und her und kreierte immer wahnwitzigere namen für die mitarbeiter (barbara brodelgut, brian brabbelhut, bernhard bröselbier, beate bregenbrot...usw.). und alleine der gedanke an das wort "brodelnder bolem" reichte plötzlich aus, um mich in unkontrollierte lachkrämpfe zu stürzen, mir liefen die tränen die wangen herab, ich zuckte und zappelte mit allen vier gliedmassen wie ein epileptiker, der zu viel speed geschmissen hatte und kreischte vor vergnügen.
jeder andere hätte vermutlich längst die männer mit den weissen jacken gerufen, der liebste verzog keine miene und murmelte nur irgendetwas von "hoffentlich bist du eine art kanarienvogel" und "wenn-ich.das-licht-ausmache, hälst du vielleicht endlich den schnabel" bevor es dunkle nacht wurde und ich binnen kürzester zeit eingeschlafen war.
der nächste morgen kam, ich klappte meine äuglein auf und war von dem wunsch beseelt, meine mission zu einem glücklichen ende zu bringen. fortuna war mit mir, denn die grandiose idee, die mir durch den kopf geisterte, setzte unbedingt voraus, dass der liebste sich noch im land der träume befand. regelmässige atemzüge und ein friedliches fast-wie-ein-baby-gesicht verrieten mir, dass der gute noch fest schlief. suggestion. ab ins unterbewusstsein damit.
ich beugte mich vorsichtig über ihn und murmelte mit dumpfer, leicht lasziver stimme in sein ohr: "du schlääääääfst, du schläfst tief und fest, du liegst ganz entspannt im bett und atmest ein und aus, eiiiiiiiiiiiiin und auuuuuuuuuuus..., du schläfst tief und fest, aber trotzdem beschäftigt sich dein kopf damit, wie du die agentur nennen könntest. du atmest ein und aus, eiiiiiiiiiin und auuuuuuus....du hast auf einmal eine gute idee, eine sehr guuuuuuuuuute idee, dir ist vollkommen klar, wie du die agentur nennen wirst, du bist vollkommen entspannt, da du nun eine lösung gefunden hast. alle anderen ideen verbannst du aus deinem kopf, es gibt nur noch eiiiiiiiinen naaaaaamen, der dich glücklich macht und der lauuuuutet......"
in dem moment schlug der liebste die augen auf und machte mir unmissverständlich klar, dass er mich erwürgen würde, wenn ich noch einmal das wort "brodelnder bolem" in den mund nehmen würde.
was soll ich sagen? seine drohung hielt ungefähr 2 stunden lang, in denen ich an nichts anderes als "brodelnder bolem" denken konnte und dieser gedanke mich so sehr ausfüllte, dass er sich irgendwann den weg aus meinem mund bahnte und kichernd auf dem frühstückstisch sass.
der liebste packte ihn seufzend mit spitzen fingern am kragen, sperrte ihn in eine email und sandte ihn seinen mitstreitern zu, die die namensgebung mitentscheiden müssen. 1:0 für mich.
gestern abend haben sich die jungs getroffen, um zu beraten, das endergebnis ist mir leider noch nicht bekannt, aber sie wären vollkommen wahnsinnig, wenn sie einen anderen namen nehmen würden. vollkommen wahnsinnig, finde ich.
zuggermuddi - 10. Nov, 13:11
deine stimme eben am telefon klang so, als ob die sonne in deinem gesicht auch dein herz erreicht hat. unbeschwertheit klang mit und eine grundsätzliche freude, die nur noch selten zu finden ist. ausser bei kindern vielleicht, die sich an seifenblasen, dicken hummeln, grossen pfützen und selbst erfundenen kauderwelschmelodien ergötzen können.
ehrlich gesagt, beneide ich dich im moment, um das, was ich die letzten jahre nicht haben konnte und so bald nicht haben werde.
irgendwann im laufe des tages wurde mir gewahr, dass der roman, der mit mir aus der realität flieht, in frankreich spielt und dass ich heute morgen, ohne es zu merken, französische musik eingelegt habe. das musical "notre dame de paris" beschallte die kirchgänger draussen auf der strasse, die auf der suche nach göttlicher absolution an meinem fenster vorbeischlurften, während ihnen die weltlichkeit als pompöse melodien ins gesicht schlug.
bonjour tristesse, der tag wollte nicht so richtig in schwung kommen, müde lag er auf dem asphalt und wartete auf sonnenstrahlen.
es scheint, ich will dir mit meiner francophilen stimmung auf unterbewusste, leise art nah sein...als ob musik, französische schauplätze, französische worte eine brücke bauen könnten, auf der ich stehe, um dein hausboot in weiter ferne am horizont treiben zu sehen. zu weit weg, um aufzuspringen, jedoch nah genug, um mit herz und hand zu winken.
sonnenstrahlen kann man leider nicht fangen, ich werde sie höchstens in deiner umarmung spüren, wenn wir uns wiedersehen.
aber wenn klaus hoffmann singt: "das ist derselbe mond wie über berlin", weiss ich, was er meint.
morgen werde ich eine wolkenwegschieberin.
(jean-baptiste-camille corot - der brief)
zuggermuddi - 23. Okt, 20:22
summ, summ, summ
bienchen summt herum
die biene
die ist dumm
der sommer
der ist um
die biene summt herum
summ, summ, summ
summt herum
summt
summ
stumm.
zuggermuddi - 5. Okt, 22:31